Das Kultusministerium Baden-Württemberg verfügte bereits im Jahr 2006, dass die ab dem kommenden Schuljahr 2010/11 startende gemeinsame Kursstufe des letzten G9- und des ersten G8-Jahrgangs durchmischt werden soll. Dies resultiert aus der Erkenntnis, dass eine Getrenntführung mehr Nachteile als Vorteile gebracht hätte. Die Gemeinsamkeiten der beiden Bildungspläne sind groß, da die Lehrpläne für die
Kursstufe von G9 bereits 2001 modernisiert wurden. Aus dem Schnittmengenerlass ergibt sich, dass nur die relativ große Überschneidung beider Bildungspläne Prüfungsthema ist.

Der GEB Stuttgart begrüßt, dass das Kultusministerium die Zuweisung der entsprechenden Lehrerstunden auf Grund der Getrenntberechnung beider Jahrgänge vornimmt, so dass in aller Regel mehr Stunden für die einzelnen Schulen dabei herauskommen. Als fatal erachten wir jedoch, dass offensichtlich einige Gymnasien dies zum Anlass nehmen, die beiden Jahrgänge auch tatsächlich getrennt laufen zu lassen. Die Vorteile für eine Durchmischung beider Jahrgänge liegen auf der Hand:

  • Die größere Lehrerstundenzahl kommt den Schülern wirklich zugute und wird nicht für die Getrenntführung verbraucht.
  • Die Schüler aus G8 und G9 lernen sich im gemeinsamen Unterricht kennen und wachsen zusammen, so dass sie als ein Jahrgang die Schulen verlassen und keine Energie in unnötigem Konkurrenzdruck verloren geht.Mehr SchülerInnen in einer Kursstufe bedeutet auch, die Chance für eine größere Fächerauswahl, auch für exotische Fächer und sogenannte„Orchideenfächer“
  • Die Durchmischung signalisiert auch den Universitäten und Ausbildungsbetrieben, dass dieser Doppeljahrgang über die gleichen Voraussetzungen verfügt – dies haben übrigens bereits die Modellprojekte gezeigt, bei denen die jeweiligen Abiturergebnisse von G8- und G9-Schülern kaum differierten.
  • Der gemeinsame Unterricht für beide Jahrgänge bewirkt, dass sie tatsächlich dieselben Vorbedingungen haben. Im Idealfall sollten die Lehrer bereits im laufenden Schuljahr 2009/10 die Schüler auf ein Niveau gebracht und in ständiger Absprache miteinander den Schulstoff bearbeitet haben.
  • Für das Schulklima kann es nur von Vorteil sein, wenn Schüler aus G8 und G9 gleich behandelt werden, da sich somit eventuelle Beschwerden darüber im Vorfeld vermeiden lassen. Bei getrennten Kursen kann es passieren, dass sich der eine oder andere Jahrgang benachteiligt fühlt.

Der GEB Stuttgart appelliert deshalb an die Einsicht der Schulleiter, im Interesse der betroffenen Schüler die Vorgaben des Kultusministeriums ernst zu nehmen und Schülern wie Eltern keinen Anlass zu geben, sich im Vergleich zu den anderen benachteiligt zu fühlen. Unser aller Interesse muss sein, diese Zusatzbelastung eines doppelten Abiturjahrgangs so problemlos, stressfrei und ohne weitere Störungen zu bewältigen. Das Wichtigste sind die gleichen Ausgangschancen für unsere Kinder, und wir sollten alle gemeinsam alles vermeiden, was weitere Unruhen in die Schulen bringt!

07. März 2010
gez. Sabine Wassmer                                       Monika Stark-Murgia
Vorsitzend                                                        Stellvertretende Vorsitzende
des Gesamtelternbeirats Stuttgart                    des Gesamtelternbeirats Stuttgart

 

Download der Stellungnahme zur doppelten Kursstufe im Gymnasium

 

Stuttgart, 3. Februar 2010

Offener Brief an Herrn Kultusminister Rau


Sehr geehrter Herr Minister Rau,

nachdem uns in den letzten Tagen immer häufiger Anfragen von besorgten Eltern erreichen mit der Aussage „Es werden derzeit keine Vertretungslehrer eingestellt, da kein Geld mehr dafür da ist!“, möchten wir Sie bitten, uns Eltern ein paar Fragen zu beantworten:

  • Wenn Ihrer Aussage zufolge „keine notwendige Vertretung ausfällt wegen Geldmangel“ - wie kommt es dann, dass momentan viele Schulen notwendige Vertretungslehrer nicht einstellen können?
  • Sollen alle zusätzlichen Angebote wie zum Beispiel Förderstunden gestrichen werden, obwohl eine der Schlagzeilen der neuen Bildungsoffensive lautet „Stärkere individuelle Förderung jedes Schülers, jeder Schülerin“?
  • Sollen die noch nicht erkrankten Lehrerinnen und Lehrer bis zur völligen Erschöpfung Überstunden ableisten? Wann sollen sie diese Überstunden eigentlich wieder ausgleichen?
  • Das zweite Schulhalbjahr hat eben erst begonnen – und jetzt im Februar und März kann es witterungsbedingt zu einem erneuten Anstieg von Grippe und grippeähnlichen Erkrankungen kommen … Wie sollen die dann noch zusätzlich zu erwartenden Unterrichtsausfälle aufgefangen werden?

Wie sollen unsere Kinder bei diesem Mangel unterrichtet werden und wie sollen sie die vorgegebenen Lernziele erreichen?

Gleichzeitig will das Kultusministerium mit einer 2,5 Millionen Euro teuren Werbekampagne über die Bildungsoffensive des Landes aufklären – aber ein gutes Konzept braucht keine Werbung, ein gutes Konzept spricht für sich selbst. Die Unzufriedenheit der Eltern, der Schülerinnen und Schüler, aber auch vieler Lehrerinnen und Lehrer über die Bildungspolitik entsteht nicht durch mangelnde Information, sondern durch Situationen wie der aktuellen: Auf der einen Seite wird in Zeiten leerer Kassen sogar an Vertretungslehrern gespart, auf der anderen Seite wird Geld für Hochglanzbroschüren ausgegeben, die den Mangel und die Defizite überdecken sollen.

 

Sabine Wassmer                                                             Monika Stark-Murgia
Vorsitzende des                                                               Stellvertretende Vorsitzende des
Gesamtelternbeirates der Stuttgarter Schulen                  Gesamtelternbeirates der Stuttgarter Schulen

 

Dieser Brief geht auch an
alle Fraktionen und bildungspolitischen Sprecher
im Landtag von Baden-Württemberg und der Stadt Stuttgart,
an die Vorsitzende der GEW, Frau Doro Moritz,
an den Landeselternbeirat,
an die Redaktionen der Stuttgarter Zeitung, Stuttgarter Nachrichten
und der Elternzeitung Luftballon

Stuttgart, 17. 01. 2010

Sehr geehrter Herr Rau,
sehr geehrter Herr Stächele,

Der Vorstand des Gesamtelternbeirats der Stuttgarter Schulen nimmt zu den Diskussionen über Lehrereinsparungen und Personalbudget für die einzelnen Schulen folgendermaßen Stellung:

Alle Schulen brauchen ausreichend und qualifiziertes Personal. Dazu ist es unserer Meinung nach notwendig, auch weiterhin für den Lehrerberuf zu werben, damit geeignete junge Menschen diesen gerne ergreifen und sich an der Uni oder PH gut ausbilden lassen. Des Weiteren sind finanzielle Anreize notwendig und laufende Fortbildungen für alle Lehrerinnen und Lehrer. Für die beruflichen Schulen kann es zudem sinnvoll sein, Lehrer bzw. Fachkräfte aus der beruflichen Praxis einzustellen. Keine Stelle darf in Zukunft unbesetzt bleiben. Im Bildungsbereich verbieten sich Einsparungen, auch und gerade bei zurückgehenden Schülerzahlen – um die Kinder und Jugendlichen auf die Anforderungen einer stets komplexer werdenden (Berufs-)Welt vorzubereiten brauchen wir jede Lehrerin, jeden Lehrer! Wir sprechen uns jedoch klar dagegen aus, dass Lehrer durch pädagogische Assistenten ersetzt werden sollen.

Um den Herausforderungen einer Schule in der heutigen Zeit gerecht zu werden, plädieren wir für die Einstellung von zusätzlichen Fachkräften wie z.B. Sozialpädagogen und Psychologen. Ein frei verfügbares Personalbudget sollte ein zusätzliches Budget für die Schulen sein, um damit zum Beispiel für Projektarbeit an der Schule andere Professionen, wie Theaterpädagogen, Künstler, Schauspieler, Handwerker usw. engagieren zu können.

Damit eine Schule ihr eigenes Profil bzw. Konzept optimal entwickeln kann, ist eine gute Teamarbeit notwendig. Deshalb halten wir es für unabdingbar, dass die Schulen sich ihre Lehrkräfte selbst aussuchen und somit ein passendes Team bilden können.

Mit freundlichen Grüßen

Sabine Wassmer                                                             Monika Stark-Murgia
Vorsitzende des                                                               Stellvertretende Vorsitzende des
Gesamtelternbeirates der Stuttgarter Schulen                  Gesamtelternbeirates der Stuttgarter Schulen

Pressemitteilung


Stuttgart, den 21.03.2007


Stellungnahme zur Grundschulempfehlung


Die Selektion der Kinder in die drei Schularten am Ende der Grundschulzeit stürzt viele Familien in eine Krise.

Da ist zum einen die Frage, in welche Schulart das Kind kommen soll. In der Diskussion mit den Lehrerinnen und Lehrern müssen die Eltern verstehen, dass ihr Kind vielleicht nicht in die von ihnen gewünscht Schulart gehen kann. Es kann für manche Eltern ganz heilsam sein, sich noch einmal grundlegend mit der Persönlichkeit und der Leistungsbereitschaft ihres Kindes auseinanderzusetzen. Andererseits steht immer wieder die Frage im Raum, ob denn diese Grundschulempfehlung wirklich so aussagekräftig ist. Die Kinder befinden sich doch immer noch in einer Phase des Übergangs vom spielerischen Lernen zum leistungs- und zielorientierten Schüler. Da mag es manchmal unverständlich sein, wieso noch immer der Notenschnitt den größten Ausschlag für die Empfehlung gibt. Es gibt ja noch viele andere Kriterien wie Schulweg, pädagogische Konzepte an der weiterführenden Schule oder auch, wo die besten Freunde des Kindes hingehen. Im Allgemeinen muss man sagen, dass diese Selektion mit 10 Jahren einfach zu früh stattfindet. Vor allem, weil auch das Eintrittsalter in die 1. Klasse heruntergesetzt wurde, wird das Alter der zu bewertenden 4-Klässler weiter zurückgehen. Eine längere gemeinsame Grundschulzeit ist immer noch ein heikles Thema, aber eines, an dem man heute weniger denn je vorbeikommt.

Die nächste Herausforderung ist dann die Wahl der Schule. In wie viele Schulen gehen Eltern mit ihren Sprösslingen, um die passende zu finden? Selten ist es nur eine. Meist drei bis fünf Schulen und manchmal auch deutlich mehr. Ein Stress für Eltern und Schüler. Und überall werden andere Konzepte, Profile, Kontingentstundentafeln und AG-Programme vorgestellt. Oft weiß man dann am Ende gar nicht mehr richtig, was jetzt eigentlich wo war. Wichtig ist für Eltern heute auch, ob und wie die Kinder am Mittag versorgt werden. Wie sehen die Toiletten in den Schulen aus und wie groß und modern ist die Sporthalle oder der Musiksaal? Und wer trifft dann in der Familie die Entscheidung für die Schule? Wie viel darf das Kind mitreden? Oder entscheiden allein die Eltern? Auf jeden Fall geht ein tiefes Durchatmen durch die Familien, wenn sie endlich in dieser Woche die Kinder angemeldet haben. Die Aufregung legt sich und nun kommt hoffentlich die Vorfreude auf die neue Schule auf. Nur wer eine Hauptschulempfehlung hat, darf nicht wählen! Das ist unverständlich, vor allem, weil ja gerade an den Hauptschulen die pädagogische Arbeit mit ihren Konzepten ganz entscheidend wichtig ist. Und das Selbstbewusstsein der Hauptschüler würde deutlich steigen, wenn auch sie sich wenigstens zwischen zwei Schulen entscheiden könnten.


Martin Schäfer
Vorsitzender der schulischen GEB

15. Dezember 2009


Offener Brief an Kultusminister Helmut Rau zu den neuen Werkrealschulen


Sehr geehrter Herr Minister Rau,

die geplante Einführung von Werkrealschulen führt in vielen Orten zu Irritationen.

Es stellt sich die Frage, wie die Betonung auf qualitätsvolle Bildung, auf Qualitätsoffensive und Qualitätsentwicklung an den Schulen im Einklang stehen kann mit einer rein quantitativen Vorgabe bei der Beantragung von Werkrealschulen (stabile Zweizügigkeit, mindestens 36 SchülerInnen je Jahrgang).

Gerade für HauptschülerInnen, und für die zukünftigen WerkrealschülerInnen ebenso, ist der Weg in Ausbildung und Beruf oft schwierig. Durch die Defacto-Schließung kleiner Hauptschulen werden gewachsene Strukturen, die vorbildhaft mit dem Handwerk und anderen Betrieben vor Ort zusammen gearbeitet haben, zerstört. Diese Strukturen haben vielen Jugendlichen in der Vergangenheit erst dazu verholfen, durch den direkten Kontakt eine Lehrstelle zu bekommen. Die enge Zusammenarbeit mit anderen Partnern (Schulsozialarbeit, offene Jugendarbeit, Vereine u.ä.) hat dazu geführt, dass Probleme – auch im Sozialverhalten – frühzeitig wahrgenommen wurden und entsprechend entgegengesteuert werden konnte. Das alles wird ohne Not geopfert – zu Lasten der betroffenen Kinder und Jugendlichen und ihrer Familien.

Die Frage muss auch erlaubt sein, wie das Kultusministerium es sich vorstellt, in solcher Eile ein Konzept umzusetzen, dessen Auswirkungen auf die beruflichen Schulen nicht durchdacht erscheinen – gerade die beruflichen Schulen haben mit einem strukturellen Lehrermangel zu kämpfen, der zu einem derart hohen Unterrichtsausfall führt, dass selbst die Handwerkskammern schon darauf aufmerksam machen, dass eine qualitätsvolle Ausbildung nicht mehr gewährleistet ist. Gleichzeitig die zweijährigen Berufsfachschulen für Hauptschüler wie bisher und den WRS-Kooperationszug bewältigen zu  müssen, wird dieses Problem für die beruflichen Schulen noch verschärfen. Die Angst besteht, dass die „normalen Hauptschüler“, die sich für den Weg über die zweijährigen Berufsfachschulen zum Mittleren Bildungsabschluss entscheiden, nur noch stark eingeschränkte Möglichkeiten vorfinden. Gerade jetzt in der Krise ist es mehr als bedenklich, wenn weiterbildungswillige Jugendliche gezwungen sind, mangels Plätzen auf staatlichen Schulen in die Privatschulen abzuwandern!

Laut einer Meldung der StZ vom 11. Dezember 2009 kann es in „Einzelfällen“ sein, dass die Entscheidung, ob eine Schule Werkrealschule wird oder nicht, erst im März bekannt gegeben wird. Als Grund wird angegeben, dass  verlässliche Schülerzahlen meist erst nach den Informationsveranstaltungen für die Eltern vorlägen. Das aber ist doch ein Sachverhalt,  derallenthalben bekannt ist – warum wurde nicht grundsätzlich noch bis zum Ende des kommenden Schuljahres gewartet, so dass auch eine Schulentwicklungsplanung abgeschlossen werden kann?

Noch eine weitere Frage muss gestellt werden: Wie kann es sein, dass Schulen zu Werkrealschulen gemacht werden, ohne dass die Bildungspläne, nach denen unterrichtet werden soll, bekannt sind? Müssen wir Eltern es wieder ertragen, dass – wie im G8 – wieder die Kinder zu Versuchskaninchen gemacht werden, an denen in den nächsten Jahren ausprobiert wird, wie und ob die neue Werkrealschule funktionieren kann.

Die Einführung des zehnten Schuljahres sollte für alle SchülerInnen die Möglichkeit bieten, 10 Jahre gemeinsam zu lernen und voneinander zu profitieren. Dann wären die SchülerInnen von ihrer persönlichen Entwicklung her auch eher in der Lage über ihren weiteren Werdegang zu entscheiden – und für die Ausbildungsbetriebe, die mehrheitlich keine Auszubildenden unter 16 Jahren einstellen wollen, wieder interessant.

So könnte eine wirkliche Schulreform aussehen.


Sabine Wassmer                                                             Monika Stark-Murgia
Vorsitzende des                                                               Stellvertretende Vorsitzende des
Gesamtelternbeirates der Stuttgarter Schulen                  Gesamtelternbeirates der Stuttgarter Schulen